Und sie arbeiten doch noch!

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Gerne beteilige ich mich mit diesem Beitrag an der Blogparade von Freaky Finance und in Vorbereitung auf den Kongress zum passiven Einkommen. Im Rahmen meiner Gespräche mit finanziell freien Menschen habe ich alle möglichen Arten von passivem Einkommen kennengelernt. Die meisten haben angefangen mit passiven Einkünften auf Kapitalvermögen, also Immobilien und Aktien. Als diese dann gereicht haben, um die Lebenshaltungskosten zu decken, kam es zu dem ersten großen Schnitt. Meistens die Kündigung aus einem angestellten Job. Das ist ja auch ein Traum. Zumindest wenn man sich in diesem wie in einem Hamsterrad bewegt. Ich selbst habe diesen Schritt auch vor knapp 10 Jahren gewagt. Allerdings nicht in die finanzielle Freiheit sondern nur in die schnöde Selbständigkeit. Verbunden mit der Sorge, ob dies (finanziell) funktioniert, aber angefüllt mit vielen, vielen Plänen, was ich gerne alles als Coach und Trainerin auf die Beine stellen will. Also sehr viele Ideen für ein aktives Einkommen!

Finanziell freie Menschen haben das anders gemacht. Also zumindest die von mir interviewten. Da war meistens erst die Kündigung, dann eine Auszeit und dann… Dann ging es für viele erst richtig los. In der Auszeit gab es wohl genügend Zeit, um sich darüber Gedanken zu machen, was man machen will. Das haben sie dann mit Leidenschaft umgesetzt. Wenn man was macht, was einem viel Spaß macht, dann kann man auch richtig durchstarten. Dann fühlt sich Arbeit nicht wie Hamsterrad an, sondern wie ein Hobby, dem man gerne und viel nachgeht. Auch gerne mal 10 Stunden am Tag, dazu noch am Wochenende. Zum Teil habe ich gestaunt, was da ging, obwohl doch jeden Monat schon genug Geld aufs Konto kommt. Alex von Reich mit Plan oder Lars Hartwig mit seiner passiver Geldfluss Akademie sind nur zwei Beispiele. Sie brennen für ihre Projekte, haben bereits passives Einkommen und schaffen natürlich mit diesen Projekten nochmal mehr passives und aktives Einkommen.  Natürlich kann man sich dann die Frage stellen, warum das Ganze. Also warum überhaupt erst nach passivem Einkommen streben, wenn man danach auch noch aktives Einkommen generieren mag? Ich finde diese Frage durchaus berechtigt.

Ich glaube, der Hype in Bezug auf passives Einkommen und finanzielle Freiheit, den wir gerade erleben, entsteht aus einer Mischung von sehr auszehrenden Anstellungsverhältnissen und großer Angst vor einer selbständigen Tätigkeit. Ingo hat sehr schön beschrieben, warum er unbedingt ein passives Einkommen aufbauen will. Weil er sich in seinem Hamsterrad nicht mehr wohl fühlt. Auch der Finanzfisch und Florian von der Investorenausbildung bauen auf diese Motivation ihr passives Einkommen auf. Das ist völlig okay. Erlaubt aber auch einen Blick auf unsere Arbeitswelt. Wie konnte es dazu kommen und ist es wirklich der Ausweg, dass wir alle den Ausstieg via der finanziellen Freiheit suchen? Ich kann dies individuell gut verstehen, gesamtgesellschaftlich lohnt sich da vielleicht ein zweiter und sehr kritischer Blick auf unser Arbeitsleben und auf den Umgang mit Angestellten. Für mich ist die Antwort aber nicht unbedingt die finanzielle Freiheit. Zumal ich nicht glaube, dass dies für viele erreichbar ist.

Wenn ich aber auf meine Gesprächspartner für mein Buch schaue, dann haben sich fast alle  finanziell freien Menschen, die weiterhin in Deutschland leben, selbständig gemacht. Das passive Einkommen hat die Angst vor der Selbständigkeit abgemildert, möglicherweise ist die selbständige Tätigkeit auch nicht geplant entstanden, sondern hat sich entwickelt. Aus dem Bedürfnis heraus, etwas zu gestalten und zu tun. Und aus dem Bedürfnis der anderen Menschen, für die Leistung zu bezahlen. Als Dank und Anerkennung. Dabei wird wieder aktives Einkommen generiert. Oder passives Einkommen durch viel aktive Arbeit erhöht.

Ich glaube, dass passives Einkommen sehr helfen kann, um den Ausstieg aus einem angestellten Leben zu schaffen. Es ist das Sicherheitsnetz, was die Angst vor der Selbständigkeit abmildert. Das Sicherheitsnetz, was uns vorm Scheitern bewahrt, weil Scheitern in Deutschland so einen schlechten Ruf hat. Mit passivem Einkommen müssen wir nicht durch die Angst, durch die die meisten Menschen gehen, wenn sie sich selbständig machen. Mir hat es gereicht, genügend Sicherheitsgeld für meine Selbständigkeit anzusparen.  Als ich genug Geld hatte, um drei Jahre meine Ausgaben zu decken, hat dies mir gereicht, um den Sprung zu wagen. Das mag viel erscheinen, aber im Vergleich zu finanziell freien Menschen ist dies noch eine geringe Kapitaldecke. Für mich war es die passende Antwort auf mein Sicherheitsbedürfnis. Und ich will nicht verschweigen, dass ich damals den Sprung riesig fand und sehr viel Angst davor hatte, meine Kündigung abzuschicken. Heute schiebe ich meinen Puffer von damals immer noch vor mir her und ja, er wird auch immer ein bisschen mehr, weil ich dieses Investment gut angelegt habe und sich meine Selbständigkeit als eher erfolgreich erwiesen hat. Es entspannt mich zu wissen, dass ich nicht jede Anfrage annehmen muss und dass es auch okay ist, wenn irgendwelche Angebote von meinen Kunden nicht so gekauft werden, wie ich mir das vorgestellt habe. Nebenbei sind auch die einen oder anderen kleinen passiven Einkommensströme entstanden, wie beispielsweise mein Buch. Dennoch möchte ich mit diesem Beitrag den Fokus gerne ein bisschen erweitern. Nämlich auf den Blick, warum das passive Einkommen so eine Anziehung hat und wie vielleicht eine mutige Lebensveränderung dies auch mit einem deutlich kleineren Puffer (weit vor der finanziellen Freiheit) ermöglichen könnte. Dazu möchte ich Dich, wenn Du noch im Hamsterrad bist, gerne einladen nachzudenken. Natürlich gilt dies nur für die, die sich in einem Hamsterrad wahrnehmen. Wer gerne angestellt ist, der darf dieser Tätigkeit  weiterhin wirklich sehr gerne nachgehen. Das meine ich nicht ironisch, sondern wirklich ernst. Ich freu mich auf Deine Gedanken in den Kommentaren.

PS. Wer seine Sicherheitsrücklage mit P2P Krediten aufbauen will, der schaut hier.  

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