Martina: Per Zufall zur finanziellen Freiheit

Veröffentlicht von

Ich freue mich immer besonders, wenn ich Frauen finde, die auf dem Weg zur finanziellen Freiheit sind. Und die dann auch noch bereit sind, mit mir darüber zu reden. Heute habe ich Martina getroffen. Erzähl doch mal, wer Du so bist:

Hallo, ich bin 49 Jahre alt, alleinstehend und wegen der Arbeit seit 2004 in Luxemburg. Ich beschäftige mich sehr viel mit Lesen, Schach spielen, Fahrrad fahren und  mache ausgiebige Wanderungen.

War das schwer, Deutschland den Rücken zu kehren? Oder ist Luxemburg als Nachbarland ziemlich ähnlich.

In Deutschland hatte ich ein wesentlich geringeres Nettoeinkommen in Aussicht. Dann wurde mit eine Stelle in Luxemburg angeboten und ich bin hierhergezogen. Luxemburg ist ein kleines, feines Land, dem ich dann treu geblieben bin. 

Das gängige Modell des Lebens sieht für das Erwerbsleben den Dreiklang Ausbildung, Arbeit und frühestens ab 60 Rente vor. Was war der Auslöser, dass Du Dich diesem Dreiklang entzogen hast. Und an welcher Stelle in Deinem Leben war das?

Das ging schon sehr früh los: während meine Mitschüler in den ersten Wochen der Ferien ein paar Wochen gearbeitet haben, um dann irgendwo im Rest der Ferien in den Urlaub zu fahren, habe ich es eher vorgezogen die Arbeitszeit zu verkürzen und dann lieber den Konsum zu reduzieren. Freie Bestimmung über meine Zeit ist und war mir schon immer wichtiger als „Dinge“ zu besitzen.

Wie bist Du Deinen Weg bis heute gegangen? Wann hat sich der Wunsch nach finanzieller Freiheit eingestellt und wie hast Du es geschafft, dies zu realisieren?

Hoffentlich klingt das jetzt nicht arrogant. Die finanzielle Freiheit hat sich eher zufällig ergeben, da ich aufgrund meiner Qualifikationen nur relativ gut bezahlte Vollzeitstellen bekommen habe, hatte ich eine recht hohe Sparquote. Daneben habe ich mich schon immer für Aktien interessiert und in den letzten Jahren von der positiven Marktentwicklung profitiert.

Wie war der Moment, an dem Du gemerkt hast, dass Du mit einem neuen Lebensmodell nicht mehr im klassischen Sinn arbeiten musst?

Na, den habe ich formal noch nicht ganz erreicht. Ich rechne noch mit 2-3 Jahren Erwerbstätigkeit, dann sollte es bei meinem aktuellen Konsumverhalten bis zur Rente reichen. Emotional fühle ich mich aber jetzt schon finanziell frei. Viele meiner Freundinnen würden meine gesamten Ersparnisse ganz schnell „verjubeln“.

Gibt es Momente der Unsicherheit, an welchem Du Sorge hast, dass Dein neues Lebensmodell nicht aufgeht (z.B. finanziell)?

Ich denke nur vorwärts. Wenn Probleme auftauchen beschäftige ich mich damit. Niemals vorher, da ich das nicht nur als Zeitverschwendung, sondern auch als nicht zielführend  ansehe.

Wie sieht Dein Leben heute aus? Wie kann ich mir Deinen Alltag vorstellen?

Da ich zur Zeit arbeitslos bin, beschäftige ich mich mit der Stellensuche, sonst mit meinen Hobbys: Schach, Wanderungen, Lesen, Yoga,  Fahrradfahren und Aktienmärkte analysieren. Auch meine verwöhnte Katze hält mich ganz gut auf Trab.

Wie erlebst Du Deine Arbeitslosigkeit? Ist der Druck anders durch Deine Reserven?

Eindeutig. Ich kann die Sache ganz entspannt angehen. Der Druck ist mit einigen Reserven und konsumverweigerndem Lebensstil deutlich geringer.

Arbeitest Du, weil Du dieses Geld noch dazuverdienen musst oder weil Dir die Arbeit Spaß macht und Geld nun mal ein gängiges Mittel der Anerkennung ist?

Arbeit für Geld in den gängigen Formen mag ich eigentlich gar nicht mehr. Abhängige Erwerbsarbeit mag ich nicht. Der Kontakt zu den Kollegen ist ja ganz nett, aber im Grunde arbeite ich da eindeutig nur für Geld. Anerkennung durch andere interessiert mich nicht besonders. Selbständige Arbeit ist für mich ähnlich belastend, da dort statt des Chefs die Kunden meine Entscheidungsfreiheit einschränken. Ich weiß noch nicht genau, wie ich das in den nächsten Jahren gestalte. Wenn ich dann gar nicht mehr arbeite, dann schwebt mir eher ein Engagement beim Tierheim vor. So zweimal die Woche dort helfen, dass würde mir sehr gut passen.  

Wie sehen Deine anderen Einkünfte aus?

Mieten, Dividenden und in den letzten Jahren Kursgewinne. Aber es gab auch viele Jahre in denen ich massive Kursverluste hinnehmen musste.

Und gibt es sonst noch Hobbys oder Tätigkeiten, die Deinen Alltag ausfüllen?

Ich trainiere die Jugend meines Schachvereins und betreibe mit Freuden Wirtschaftsanalysen. Aber spezielle Projekte verfolge ich nicht.

Wie sieht Dein Lebensstil aus?

Ich besitze das kleinstmögliche Auto, lebe mit meiner Katze in einer recht kleinen Mietwohnung. Ich gehe manchmal nach dem Training noch mit den Vereinskameraden essen. Sonst habe ich keine größeren Ausgaben.

Bekommen andere Menschen Dein Lebensmodell mit?

Ich gehe mit meinem Lebensmodell recht diskret um. Ich bin halt schon oft angepumpt worden und habe dadurch einiges an Geld verloren. Ein anderes Problem ist, dass man sich nicht so sicher sein kann, ob Freundschaft oder finanzielle Gründe die Grundlage des Interesses der anderen Person sind. In der Folge erzähle ich nicht viel, daher kommen auch kaum Reaktionen.

Denkst Du manchmal darüber nach in ein klassisches Erwerbsleben zurückzukehren?

Mein Ziel ist es absolut davon weg zu kommen. Ich sehe es als Einschränkung meiner Freiheit, meine Lebenszeit selbst zu gestalten, an.

Wie würdest Du jemandem aus dem Weltall erklären, welches die größten Unterschiede zwischen Deinem Leben und dem Leben der meisten Weltbewohner so ist?

Mein Leben ist einfach viel ruhiger. Weniger Stress aber auch weniger „Zeugs“ in meinem Besitz.

Was würdest Du Menschen raten, die den Weg der finanziellen Freiheit einschlagen wollen?

Bei den Ausgaben ansetzen. Bei jeder Ausgabe stellt sich ja der Preis in zu leistenden Arbeitsstunden dar. Wenn man sich die Frage stellt, ob das Louis Vitton Täschchen wirklich 40 Stunden, eingeschlossen sein mit 7 zickigen Buchhaltungskolleginnen wert ist, fällt der Konsumverzicht gar nicht schwer! 

Liebe Martina, danke Dir für das schöne Gespräch. Ich bin sicher, Du wirst Dein freies Leben geniessen.

 

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.